Generationen, Gender, Charaktere: So entwickelt ihr Konfliktfähigkeit in diversen Agentur-Teams

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Ein Team aus verschiedenen Generationen, Geschlechtern, Persönlichkeiten und Arbeitsstilen: Das klingt nach Vielfalt, nach Austausch, nach dem perfekten Mix. In Agenturen macht genau das oft ihre Superkraft aus. Doch dort, wo Unterschiede aufeinandertreffen, entstehen auch Unstimmigkeiten zwischen den Mitarbeitenden. Was sind die häufigsten Gründe dafür, wie kannst du Differenzen vorbeugen und Konfliktfähigkeit fördern? Darum geht es in diesem Artikel.

Die Vorteile von Diversität sind bekannt: Unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Denkweisen fördern die Innovationskraft und steigern die Produktivität. Vielfalt im Team eröffnet darüber hinaus auch den Horizont, um unterschiedliche Zielgruppen besser verstehen und ansprechen zu können. Das ist in der Kreativbranche natürlich ein riesiger Vorteil, um erfolgreiche Kampagnen zu entwickeln.

Diversität will allerdings auch gemanagt werden. Denn die Vielzahl an unterschiedlichen Persönlichkeiten bringt unterschiedliche Erwartungen und Anforderungen mit sich. Sie sollten in Einklang gebracht werden, denn sonst können aus der produktiven Spannung schnell Konflikte entstehen.

Schauen wir uns einmal an, in welchen drei Konstellationen am häufigsten Reibung entsteht.

Generationskonflikte: Wenn unterschiedliche Altersgruppen zusammenkommen

Nicht selten arbeiten vier Generationen in einer Agentur zusammen. Jede von ihnen wurde durch andere gesellschaftliche Ereignisse geprägt, hat andere Werte verinnerlicht und bringt unterschiedliche Erwartungen an Leben und Arbeiten mit. Das ist eine enorme Ressource, aber eben auch eine potenzielle Konfliktquelle.

Die Babyboomer (geboren etwa 1946-1964) sind oft mit einer starken Arbeitsmoral und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber groß geworden. Präsenz im Büro, lange Arbeitstage und die Bereitschaft, sich dem Job unterzuordnen, waren selbstverständlich. Hierarchien wurden weitgehend akzeptiert, Karriere machte man durch Fleiß und Durchhaltevermögen.

Die Generation X (geboren etwa 1965-1980) erlebte wirtschaftliche Unsicherheit und den Beginn der Globalisierung. Sie sind oft pragmatisch, selbstständig und skeptisch gegenüber Institutionen. Work-Life-Balance wurde erstmals zum Thema, auch wenn die Realität oft anders aussah. Diese Generation ist häufig in Sandwich-Positionen: zwischen den älteren Babyboomern und den jüngeren Millennials.

Die Millennials oder Generation Y (geboren etwa 1981-1996) sind die erste Generation digitaler Natives. Sie suchen nach Sinn in ihrer Arbeit, wollen mitgestalten und erwarten Feedback. Flexibilität ist ihnen wichtig, starre Strukturen empfinden sie als einengend. Sie hinterfragen Hierarchien und erwarten, dass Führung sich rechtfertigt.

Die Generation Z (geboren etwa ab 1997) ist mit Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen. Sie sind noch stärker auf mentale Gesundheit, Work-Life-Balance und Authentizität fokussiert. Viele stellen die Frage nach dem „Warum“ noch radikaler als ihre Vorgänger und sind bereit, Jobs zu verlassen, die ihren Werten widersprechen. Sie kommunizieren direkt, erwarten Transparenz und haben oft ein feines Gespür für Machtstrukturen und Ungerechtigkeiten.

Diese unterschiedlichen Prägungen führen unweigerlich zu Spannungen, die auf den ersten Blick wie persönliche, generationsbedingte Konflikte wirken. Tatsächlich rühren sie aber daher, dass unterschiedliche Wertesysteme und Erwartungen aufeinandertreffen. Es ist an uns zu verstehen, dass es hier kein Richtig und kein Falsch gibt. Alle handeln ihren unterschiedlichen Prägungen nach bestem Wissen und Gewissen. Daraus können wir ganz viel lernen. Und damit meinen wir nicht nur Toleranz, sondern auch Reflektion. Welche Einstellungen der vorhergehenden oder nachfolgenden Generation täte uns selbst gut? Wie können wir die unterschiedlichen Werte und Arbeitsweisen am besten einsetzen?    

Unterschiedliche Schuhe unter einem Tisch als Symbolbild für Diversity in der Agenturbranche

Genderkonflikte: Auch in Zeiten von Gleichberechtigung ein Thema

Ein weiteres Konfliktfeld, das oft unterschätzt wird, sind Genderdynamiken. In den meisten Agenturen arbeiten Frauen, Männer und Menschen, die sich außerhalb der binären Geschlechterkategorien verorten, zusammen. Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Sozialisationserfahrungen gemacht. Und auch, wenn wir uns alle für emanzipiert halten und selbst Männer sich als feministisch bezeichnen, wirkt sich das noch immer auf unser Miteinander aus.

Die 2025 veröffentlichte Diversity Umfrage des GWA zeigt:

·       Frauen erfahren deutlich häufiger Benachteiligung als Männer (28 Prozent vs. 12 Prozent)

·       Weibliche Mitarbeitende geben an, primär aufgrund ihres Geschlechts (17,8 Prozent) beziehungsweise ihres Alters (6,6 Prozent) diskriminiert worden zu sein

Beispiele für eine solche Benachteiligung finden wir manchmal in der Gesprächsführung. Oft kommen Frauen weniger zu Wort. Begriffe wie “Mansplaning”, “Manterrupting” oder  “Hepeating” bezeichnen Situationen, wenn Männer Frauen bekannte Sachverhalte erklären, sie unterbrechen oder ihre Aussagen noch einmal wiederholen. Das sind auch heutzutage tief verankerte soziale Muster, die Ungleichgewichte schaffen, die zu Konflikten führen können.

Wenn eine Frau dann irgendwann sagt „Ich habe das Gefühl, dass meine Beiträge hier nicht wahrgenommen werden“, wird das manchmal als überempfindlich abgetan. Dabei ist es oft die Beschreibung einer strukturellen Realität. Umgekehrt fühlen sich manche Männer in Zeiten von Diversitätsdebatten angegriffen oder nicht mehr gehört. Auch das ist ein Gefühl, das ernst genommen werden muss, auch wenn die strukturelle Ausgangslage eine andere ist.

Um solche Genderdynamiken zu reduzieren und Konfliktfähigkeit zu lernen, müssen wir umdenken. Weg von typischen Geschlechterklischees, hin zum Blick auf den Menschen dahinter und seine Bedürfnisse. Und: Aufmerksamkeit ist angesagt. Selbst darauf achten: Wie verhalte ich mich in einem Gespräch? Lasse ich mein Gegenüber ausreden? Kommen alle zu Wort? Schon dadurch entsteht mehr Gerechtigkeit und weniger Konfliktpotential, ganz unabhängig vom Geschlecht.

Persönlichkeiten und Arbeitsstile: Wenn Gegensätze sich nicht immer anziehen

Jenseits von Generation und Gender gibt es noch eine dritte Ebene: individuelle Persönlichkeiten und Arbeitsstile. Manche Menschen sind introvertiert und brauchen Ruhe zum Nachdenken, andere sind extrovertiert und entwickeln Ideen im Gespräch. Andere arbeiten strukturiert und planvoll, andere kreativ-chaotisch. Manche brauchen klare Ansagen, andere möchten Freiräume.

Diese Unterschiede können sich wunderbar ergänzen. Oder aber zu Konflikten führen. Oft werden sie dann auch personalisiert: „Der ist einfach so“, „Die kann nicht anders“.

Dabei geht es nicht um charakterliche Defizite, sondern um unterschiedliche Funktionsweisen und Qualitäten. Wenn wir das verstehen, können wir anfangen, das Positive beider Arbeitsweisen so zusammenzuführen, dass sie sich ergänzen.

Was kann ich tun, damit Konflikte im Team gar nicht erst entstehen?

Stellen wir die Frage anders: Wie wäre es, wenn wir woanders ansetzen und Konflikte als Möglichkeiten zur Weiterentwicklung empfinden? Wir sind Menschen mit unterschiedlichen Charakteren, Bedürfnissen und Empfindungen. All das gehört zu uns und lässt sich nicht morgens an der Eingangstür der Agentur an der Garderobe parken. Warum Emotionen am Arbeitsplatz uns sogar stärker machen, liest du hier.

Deshalb geht es darum, den Umgang mit Differenzen so zu gestalten, dass sie euch als Team weiterbringen. Hier sind einige Wege dorthin:

Unterschiede als Chance begreifen

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Wenn der Babyboomer-Chef und die Gen-Z-Mitarbeiterin unterschiedliche Vorstellungen von Arbeitszeit haben, gilt es, unterschiedliche Bedürfnisse zu verstehen und dafür Lösungen zu finden. Vielleicht braucht es flexible Arbeitszeiten, vielleicht klare Kernzeiten mit Freiräumen drumherum. Die Lösung entsteht im Dialog, und darin stecken ganz viele Möglichkeiten zur Verbesserung des Miteinanders.

Regelmäßige Reflexion der Zusammenarbeit

Wie läuft es gerade im Team? Was funktioniert besonders gut? Wo ist Verbesserungsbedarf? Solche Fragen solltet ihr kontinuierlich stellen. Team-Retrospektiven nach Projekten sind eine gute Gelegenheit. Aber auch informelle Check-ins, in denen nicht über Inhalte, sondern über das Miteinander gesprochen wird, schaffen Raum für frühzeitige Klärung.

Kommunikationsmuster bewusst machen

Wer spricht wie viel in Meetings? Wessen Ideen werden aufgegriffen, wessen überhört? Wer unterbricht wen? Solche Muster zu beobachten und transparent zu machen, kann schon viel verändern. Manchmal hilft es, Rollen zu rotieren: Mal moderiert die Jüngste, mal protokolliert die Führungskraft. Das durchbricht eingefahrene Dynamiken.

Konflikte aktiv ansprechen

Gerade in Teams, die sich als harmonisch verstehen, ist die Versuchung groß, Konflikte zu ignorieren. „Ach, das regelt sich schon“ oder „Wir sind doch alle professionell“. Doch kleine Irritationen wachsen, wenn sie nicht angesprochen werden. Besser früh das Gespräch suchen: „Mir ist aufgefallen, dass wir im letzten Meeting aneinander vorbeigeredet haben. Können wir das mal klären?“. So wird Konfliktfähigkeit gefördert.

Psychologische Sicherheit schaffen

Teams, in denen Menschen sich trauen, auch unangenehme Dinge anzusprechen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen, sind konfliktfähiger. Psychologische Sicherheit entsteht durch klare Rollen, eine positive Fehlerkultur und durch konstruktive Kritik. Und durch ganz viel Vorlegen von der Führungsebene.

Von anderen Generationen lernen

Viele junge Menschen haben ein feines Gespür für emotionale Dynamiken und eine Kommunikationsweise, die älteren Generationen manchmal zu direkt erscheint. Statt „Wie geht es dir?“ fragen sie „Wie fühlst du dich?“ Statt Probleme herunterzuspielen, benennen sie sie. Diese Direktheit kann für Teams sehr wertvoll sein und sollte als Einladung zu ehrlichem Austausch dienen. Und ganz ehrlich: Wir finden ja, dass wir uns alle von der Gen Z eine Menge abschauen können.

Was tun, wenn doch Konflikte im Team entstehen?

Das beste Mittel: Miteinander reden. Offen, ehrlich, wertschätzend. Und wenn das nicht (mehr) reicht, ist es Zeit, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Auf Methoden wie Mediation und mediationsanaloges Arbeiten sind wir bereits in Teil 1 dieser Serie eingegangen. Hier kannst du das Vorgehen und den Effekt nachlesen.

Ein weiterer Ansatz, den wir gern anwenden, findet sich in der hypnosystemischen Psychologie:

Der hypnosystemische Ansatz nimmt die Grundidee der Hypnose, also die Methodik, die Aufmerksamkeit bewusst auf bestimmte Aspekte zu lenken, auf und verbindet sie mit systemischem Coaching. Die Grundidee: Menschen haben die Ressourcen und das Wissen zur Problemlösung bereits in sich. Die Ressourcen müssen nur aktiviert werden. Der  Begründer des hypnosystemischen Ansatzes Dr. Gunther Schmidt, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, nennt das: “Lernen von sich selbst.” 

Das steckt dahinter: 

Wenn wir sehr beschäftigt sind, schauen wir weder nach links noch nach rechts. Wir fokussieren uns voll auf unsere Aufgabe und blenden Ablenkungen aus. Alles kreist nur noch um eines: Die Aufgabe..

Bei Problemen können wir in einen ähnlichen Zustand kommen. Wir sind so fokussiert auf das Problem, dass wir keinen Ausweg mehr sehen. Alles dreht sich um das, was nicht funktioniert. Unsere Wahrnehmung verengt sich.

Bei der hypnosystemischen Arbeitsweise durchbrechen wir diesen Kreislauf  durch Fragen, die weg vom Problem hin zur Lösungsfindung führen. Mit Anregungen wie „Wann habt ihr gut zusammengearbeitet? Was war da anders?“ oder „Stellt euch vor, nächste Woche Jahr ist dieser Konflikt gelöst. Wie würde eure Zusammenarbeit dann aussehen?“ eröffnen wir neue Perspektiven und aktivieren – bewusst oder unbewusst – vorhandenes Wissen. Dadurch gerät unser Gegenüber von einer Problem- in eine zukunftsorientierte Lösungshaltung.

Das ist besonders wertvoll in Teams, weil es die Selbstwirksamkeit stärkt: Nicht jemand von außen löst das Problem, sondern das Team findet selbst den Weg.

Konflikte als Entwicklungschance

Teamkonflikte sind herausfordernd, keine Frage. Aber sie beinhalten auch große Chancen zur Weiterentwicklung. Wenn dein Team lernt, konstruktiv mit Unterschieden umzugehen und Konfliktfähigkeit zu verinnerlichen, wächst es zusammen. Die Erfahrung, dass man auch schwierige Phasen gemeinsam meistern kann, schafft Vertrauen. 

Hinzu kommt: Ein konfliktfähiges Team vereint unterschiedliche Perspektiven und kann diese intern und in der kreativen Arbeit nutzen. Es kann sich produktiv auseinandersetzen und dabei die Beziehung miteinander stärken. Und es entwickelt eine Resilienz, die durch Krisen trägt.

Konfliktfähigkeit lässt sich erlernen. In unserem Geschäftsbereich Mediation und Konfliktklärung geht es unter anderem darum. Lass uns sprechen, wenn du dein diverses Team resilienter machen willst.