Feedbackkultur in Agenturen: Besser kommunizieren und gemeinsam wachsen

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Kennst du das? Die Kampagne ist abgeschlossen, alle atmen befreit auf. Und dann kommt der Satz: „Lass uns demnächst mal ein Feedback-Gespräch machen.“ Demnächst wird zu irgendwann, irgendwann wird zu nie. Oder andersherum: Im Vorbeigehen wirft deine Kollegin einen Blick auf deinen Bildschirm und kommentiert ungefragt den Entwurf, an dem du gerade arbeitest. Beide Beispiele geben Aufschluss darüber, dass bei der Feedbackkultur in eurer Agentur noch Luft nach oben ist. Doch warum ist eine solche Kultur so wichtig und wie kannst du lernen, positive oder kritische Rückmeldungen auch abseits offizieller Feedbackgespräche zu etablieren? Darum geht es in diesem Artikel.

 

Was ist Feedbackkultur überhaupt?

Eine Feedbackkultur beschreibt die Art und Weise, wie in einer Organisation mit Rückmeldungen umgegangen wird. Ziel ist eine gelebte Praxis des offenen Austauschs auf Augenhöhe. Also nicht „von oben nach unten“, sondern als wechselseitiger Prozess:

  • Führungskräfte geben Rückmeldungen und sind gleichzeitig offen für Feedback zu ihrem eigenen Führungsverhalten
  • Teams reflektieren gemeinsam ihre Zusammenarbeit,
  • und das ganze regelmäßig, offen, wertschätzend und auf Entwicklung ausgerichtet.

In einer guten Feedbackkultur gilt:

  • Feedback ist normaler Bestandteil der Zusammenarbeit und findet nicht erst statt, wenn es knirscht.
  • Rückmeldungen werden respektvoll formuliert und sind auf Verbesserung ausgerichtet. Sie enthalten keine Schuldzuweisungen.
  • Menschen fühlen sich sicher, Feedback zu geben und anzunehmen, unabhängig von möglichen Hierarchien
  • Positive Rückmeldungen („Was läuft gut?“) sind genauso selbstverständlich wie konstruktive Hinweise
  • Fehler werden als Lernchancen gesehen
  • Es gibt klare Strukturen, wie und wann man Feedback gibt (z. B. regelmäßige Gespräche, Rückblicke, kurze Check-ins)

Warum ist eine Feedbackkultur in Agenturen so wichtig?

Feedbackkultur fördert Entwicklung

Mitarbeitende brauchen ehrliche Rückmeldungen, um einordnen zu können, wo sie stehen. Nur durch Klarheit über ihre Stärken und Entwicklungsfelder kommen sie weiter. Durch gekonnte Rückmeldung werden deine Teams resilienter, kreativer und zufriedener.

Sie eröffnet neue Perspektiven

Das positive Hinterfragen von Ideen und das Äußern konstruktive Einwände erweitert den Horizont. Durch das Einbeziehen anderer Sichtweisen erfährt das eigene Denken eine andere Bereicherung als wenn jede:r im stillen Kämmerlein tüftelt. Das ist insbesondere in kreativen Berufen wichtig. 


Bernhard Probst_Feedbackkultur

 

 

Sie sorgt für mehr Offenheit

Eine gelebte Feedbackkultur führt zu einer besseren Kommunikation. Dadurch, dass Dinge direkt und wertschätzend angesprochen werden, beugt ihr Missverständnissen vor. Statt im Flurfunk zu tuscheln, wird 1:1 alles geklärt.

Sie verringert das Konfliktpotential

Feedbackkultur und Konfliktkultur sind eng miteinander verwoben. Denn dort, wo Menschen eng zusammenarbeiten, treffen zwangsläufig unterschiedliche Perspektiven und Erwartungen aufeinander. Oft geht es auch um unterschiedliche Wahrnehmungen. Indem ihr frühzeitig das Gespräch sucht, könnt ihr sie sichtbar machen und mögliche Reibungspotentiale klären, bevor sie zu Spannungen oder sogar ausgewachsenen Konflikten werden.

Die Grundpfeiler einer lebendigen Feedbackkultur

Du kennst bestimmt den Spruch „Ratschläge sind auch Schläge“. Das gilt vor allem für ungebetene. Aber tatsächlich ist es so: Der Ton macht die Musik, und bei Rückmeldungen kommt es zudem noch auf den Inhalt an.

Mit einer lebendigen Feedbackkultur geht ihr auf Nummer sicher. Zum einen wird das Feedback zur Selbstverständlichkeit. Ungebetene Ratschläge gibt es somit keine mehr. Außerdem lernt ihr, wie ihr Rückmeldungen so gebt, dass sie positiv ankommen und entwickelt selbst die Fähigkeit, sie als Hilfestellung anzunehmen.

Doch was macht eine gute Feedbackkultur nun aus? Einige Punkte haben wir oben schon kurz zusammengefasst. Hier gehen wir noch einmal genauer auf die Basis ein und geben euch konkrete Tipps, wie ihr das Wissen anwendet.

1. Feedback auf Augenhöhe statt von oben nach unten

Hierarchie spielt beim Feedback keine Rolle. Natürlich hat die Führungskraft eine andere Perspektive als das Teammitglied, aber beide Sichtweisen sind wertvoll.

Konkret bedeutet das:

  • Führungskräfte fragen aktiv nach Feedback zu ihrem eigenen Verhalten: „Wie hast du die Art erlebt, wie ich das Meeting geleitet habe?“
  • Feedback fließt in alle Richtungen: nach oben, nach unten, zwischen Kolleg:innen
  • Niemand ist zu erfahren oder zu senior, um noch zu lernen

2. Konkret statt allgemein, zeitnah statt später

Vages Feedback wie „Das war irgendwie nicht so gut“ oder „Du machst das toll“ bringt niemanden weiter. Gutes Feedback ist spezifisch und zeitnah.

Besser:

  • „Mir ist in der Präsentation aufgefallen, dass du die Kundenfragen sehr souverän beantwortet hast, besonders bei dem kritischen Punkt zur Timeline.“
  • „Im Meeting eben habe ich wahrgenommen, dass du zweimal unterbrochen wurdest und dann nicht mehr zu Wort gekommen bist. Wie ging es dir damit?“

Je näher das Feedback am Ereignis, desto hilfreicher ist es. Wartet nicht bis zum nächsten Quartalsgespräch, wenn etwas jetzt relevant ist.

3. Dialog statt Monolog: Fragen stellen statt Urteile fällen

Feedback sollte ein Gespräch sein, kein Vortrag. Statt fertige Bewertungen zu verkünden, öffne den Raum für verschiedene Perspektiven.

Statt: „Deine Präsentation war zu lang und unstrukturiert.“
Besser: „Wie zufrieden warst du selbst mit der Präsentation? Ich hatte an manchen Stellen Schwierigkeiten, dem roten Faden zu folgen. Wollen wir das nächste Mal noch mal gemeinsam über den Aufbau schauen?“

Fragen schaffen Verständnis und laden zum gemeinsamen Nachdenken ein. Sie vermeiden, dass dein Gegenüber in die Defensive gerät, und fördern echtes Lernen.

4. Übung macht die Meister:innen: Feedback als Routine etablieren

Feedbackkultur entsteht durch kontinuierliche Praxis. Je selbstverständlicher Rückmeldungen in den Agenturalltag eingebunden werden, desto weniger aufgeladen sind solche Gespräche.

Formate, die helfen:

  • Kurze Projekt-Rückblicke nach jedem größeren Abschluss: Was lief gut? Was würden wir beim nächsten Mal anders machen?
  • Regelmäßige 1:1-Gespräche mit Zeit für wechselseitiges Feedback
  • Direktes Feedback unter Kolleg:innen auf Augenhöhe
  • Team-Check-ins, in denen auch die Zusammenarbeit reflektiert wird

5. Psychologische Sicherheit als Fundament

Damit Feedback funktioniert, braucht es psychologische Sicherheit. Darunter verstehen wir das Selbstverständnis, dass man ehrlich sein kann, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Menschen müssen darauf vertrauen, dass Kritik nicht gegen sie verwendet wird und sie auch unangenehme Wahrheiten aussprechen dürfen.

Das schaffst du durch:

  • Vorleben: Nimm Feedback selbst offen und dankbar an
  • Fehler als Lernchancen framen statt als Versagen
  • Niemanden für ehrliches Feedback abstrafen, auch nicht subtil
  • Transparenz darüber, was mit Feedback passiert

Wie etablierst du eine lebendige Feedbackkultur in deiner Agentur?

Soviel vorab: Der Weg dorthin braucht Mut, Geduld und die Bereitschaft, auch selbst verletzlich zu sein. Aber er lohnt sich. Denn am Ende geht es um bessere Beziehungen, mehr Vertrauen und eine Agentur, in der Menschen gerne arbeiten und ihr Bestes geben.

Schritt 1: Beginne bei dir selbst

Als Führungskraft hast du eine Vorbildfunktion. Wenn du selbst wertschätzend Feedback gibst und einforderst, kann dein Team deinem guten Beispiel folgen.

Starte zum Beispiel so:

  • Frage nach Meetings aktiv: „Wie fandet ihr meine Moderation heute? Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?“
  • Reagiere auf kritisches Feedback mit Neugier statt Rechtfertigung: „Danke für die Rückmeldung. Kannst du mir ein Beispiel nennen, damit ich das besser verstehe?“
  • Zeige konkret, was du aus Feedback umsetzt: „Nach unserem letzten Gespräch habe ich überlegt und werde ab jetzt die Agenda vorher verschicken.“

Schritt 2: Definiere gemeinsame Regeln

Feedback funktioniert besser, wenn alle wissen, wie es in eurem Team laufen soll. Erarbeitet gemeinsam eure Grundsätze.

Fragen für die Team-Diskussion:

  • Wie wollen wir uns gegenseitig Rückmeldungen geben?
  • Was ist bei uns okay, was geht gar nicht?
  • Wie gehen wir damit um, wenn Feedback emotional wird?
  • Welche Formate wollen wir nutzen ?

Dokumentiert eure Vereinbarungen und macht sie sichtbar. So könnt ihr euch immer wieder darauf beziehen.

Schritt 3: Schafft Strukturen und Rituale

Feedback braucht feste Räume, sonst geht es im oftmals stressigen Agenturalltag verloren.

Bewährte Formate:

  • 1:1-Gespräche alle 4 bis 6 Wochen mit Zeit für Feedback in beide Richtungen
  • Projektrückblicke direkt nach Abschluss: Was lief gut, was lernen wir?
  • Team-Reflexionen einmal im Quartal zur Zusammenarbeit
  • 360°-Feedback-Runden für tiefergehende Entwicklung (bei Bedarf extern moderiert

 

Aufkleber Gut gemeint aber schlecht gemacht

 

Schritt 4: Übt gemeinsam

Viele Menschen haben nie gelernt, konstruktiv Feedback zu geben oder anzunehmen. Nutzt Workshops oder Trainings, um konkrete Techniken zu üben, damit aus gut Gemeintem auch etwas Positives erwächst.

Inhalte können sein:

  • Wie gebe ich kritisches Feedback, ohne zu verletzen?
  • Wie nehme ich Feedback an, ohne defensiv zu werden?
  • Wie unterscheide ich Beobachtung von Interpretation?
  • Wie stelle ich klärende Fragen, statt zu urteilen?

Schritt 5: Geduld haben und dranbleiben

Kulturwandel braucht Zeit. Nicht jedes Feedback-Gespräch wird sofort gut laufen. Menschen müssen Vertrauen aufbauen und neue Verhaltensweisen einüben. Auch die eigene Fähigkeit, mit Rückmeldungen konstruktiv umzugehen, muss entwickelt werden.

Wichtig:

  • Bleibt dran, auch wenn es anfangs holprig läuft
  • Reflektiert regelmäßig: Wie läuft unsere Feedbackkultur? Was brauchen wir noch?
  • Begegnet Vorstößen wertschätzend: „Toll, dass du das so direkt angesprochen hast!“

Wenn Feedback zu Konflikten führt: Die Rolle von Mediation

Manchmal reicht gute Feedbackkultur nicht aus. Konflikte können so verhärtet sein, dass die Beteiligten nicht mehr selbst zu einer konstruktiven Klärung finden. Oder beim Feedback kommen tieferliegende Spannungen ans Licht, die einen neutralen Blick von außen brauchen.

Eine Mediation kann hier zielführend sein. Als strukturiertes Verfahren hilft sie, festgefahrene Konflikte aufzulösen und wieder arbeitsfähige Beziehungen herzustellen. Professionelle Mediator:innen sorgen dafür, dass alle Perspektiven gehört werden, und unterstützt die Konfliktparteien dabei, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Mögliche Anlässe für eine Mediation können sein:

  • Anhaltende Spannungen zwischen Teammitgliedern, die trotz Feedback-Gesprächen nicht gelöst werden
  • Differenzen zwischen Führungskraft und Team, wenn neutrale Moderation fehlt
  • Grundsätzliche Unstimmigkeiten über Arbeitsweise oder Werte im Team
  • Konflikte in Bezug auf Gender, Diskriminierung, Mysogonie, interkultureller oder generationsbedingter Spannungen
  • Situationen, in denen Emotionen hochkochen und sachliche Gespräche schwerfallen

Oft kann eine Mediation den Grundstein für eine künftig bessere Feedbackkultur legen. Sie zeigt, dass du bereit bist, in gute Beziehungen und konstruktive Konfliktlösung zu investieren. Sprich uns gern auf die Möglichkeit an. Gemeinsam können wir herausfinden, ob eine Mediation in eurer Situation der richtige Weg ist.

5 Quick-Tipps für sofort besseres Feedback

Du willst nicht warten, bis die große Feedback-Strategie steht? Hier sind fünf Dinge, die du sofort umsetzen kannst:

  1. Heute noch Feedback einholen: Frag eine Person aus deinem Team: „Was wünschst du dir von mir?“
  2. Nach dem nächsten Meeting reflektieren: Nehmt euch fünf Minuten Zeit für Fragen wie: „Wie lief die Zusammenarbeit gerade? Was nehmen wir mit? Was hat besonders gut funktioniert, was wollen wir beim nächsten Mal besser machen?“
  3. Konkret bleiben: Ersetze beim nächsten Feedback „gut gemacht“ durch eine spezifische Beobachtung: „Mir hat besonders gefallen, wie du…“
  4. Fragen statt Aussagen: Probiere beim nächsten kritischen Thema: „Wie siehst du das?“ statt „Das trifft es nicht.“
  5. Sachlich bleiben: Und das sowohl beim Feedback geben als auch beim Empfangen. Es erfordert Übung, Rückmeldungen nicht persönlich, sondern dankbar anzunehmen. Auf der Sachebene lernst du, Feedback als Chance zur Verbesserung zu sehen und eigenes auch so zu formulieren.

Wir freuen uns auf dein Feedback zu diesem Thema. Sprich uns gern an, wenn du die Feedback- und Konfliktkultur in deiner Agentur verbessern möchtest.